Historie

Der Anfang

Bereits im Oktober 1991 formierte sich in Schmie ein Arbeitskreis, um die Geschichte der Steinhauer für nachfolgende Generationen zu bewahren und auf ansprechende Weise zugänglich zu machen. Das Steinhauerwesen hatte das Leben im Ort, vor allem zwischen den Jahren von 1870 bis 1920, geprägt. Nach dem vollständigen Erlöschen der Steinhauertradition drohte auch das endgültige Verschwinden der Geschichtszeugnisse. So wurden zunächst die Ausstellungsstücke zusammengetragen und konserviert. Im ehemaligen Rathaus in Schmie, einem reich verzierten Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1568, begann man mit dem denkmalgerechten Ausbau des Dachgeschosses zum Dorfmuseum. In unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden entstanden so im alten Rathaus ansprechende Räume zur Präsentation der Sammlung.

Im Jahr 2003 konnte das Museum mit dem Namen „Steinhauerstube“ eröffnet werden. Zeitgleich wurde nun auch der Bürgerverein Schmie e.V. förmlich gegründet. Der Zweck des Vereins ist die Erforschung und Darstellung der Geschichte der Steinhauer und der Heimatgeschichte in einer musealen Einrichtung im Rathaus Schmie, die Erhaltung bestehender Kulturdenkmale und des Wohnwertes im Dorf. Der Museumsbetrieb wird vom Verein organisiert. Das Museum ist von April bis Oktober jeweils am ersten und dritten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr und bei besonderen Anlässen, wie dem Dorf- oder Kelterfest, geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen für Gruppen oder Schulklassen nach Vereinbarung werden ebenfalls angeboten und rege genutzt.

Das Dorfmuseum „Steinhauerstube“

Der Besucher wird bereits am Treppenaufgang von einer großen Abbildung der Schmieer Bruchwand beeindruckt, bevor er zum Herzstück des Museums, der Steinhauerstube im Dachgeschoss gelangt. In ihr zeigen zunächst Schautafeln wie der Werkstein aus der Bruchwand gebrochen wurde. Alle weiteren Arbeitsschritte können anhand der zahlreich ausgestellten Werkzeuge und Geräte ansprechend erläutert werden. Bearbeitete Steinexponate demonstrieren die Handwerkskunst. Auf Fotos früherer Tage sind die Steinhauer in ihrer Berufskleidung abgebildet. Die soziale Situation der Steinhauer und ihrer Familien sowie die Berufsrisiken und Berufskrankheiten werden ebenfalls thematisiert. Daneben gibt es noch Raritäten wie einen Kranauslegerkopf, mit dem immens schwere Steinbrocken verladen werden konnten, und ein in einem Steinbruch entdecktes Fossil. Den „Machern“ der Ausstellung war es wichtig, in der regionalen Museumslandschaft eine Spezialsammlung mit Alleinstellungsmerkmal aufzubauen und diese anschaulich für die Weiterbildung nutzbar zu machen.

Die wichtigsten Exponate der Sammlung wurden inventarisiert, um vor allem die Herkunft der Objekte schriftlich zu dokumentieren. Ergänzend zur schriftlichen Erfassung wurden die Objekte auch abfotografiert. Zwischenzeitlich kam der Verein in den Besitz einer Sammlung von verschiedenen historischen Steinhauerskizzen, Entwürfen und Zeichnungen, die im Dokumentenschrank aufbewahrt werden.

Erweiterungen seit der Eröffnung 2003:

Ortsgeschichte

Im ehemaligen Bürgermeisterzimmer wird das frühere Gemeindeleben mit Exponaten der örtlichen Vereine, der Freiwilligen Feuerwehr, des Bürgermeisters und des Amtsboten dargestellt. Das Schmieer Fleckenzeichen ziert die Wand hinter dem Bürgermeisterschreibtisch, seine Bedeutung wird vielseitig interpretiert.

Von lokaler Bedeutung ist die Geschichte der Schmieer Wasserversorgung. Die Lage des Ortes auf einem Hügel erklärt die ständige Wassernot früherer Tage. Tiefbrunnen wurden unten im Tal gegraben und das Wasser beschwerlich ins Dorf heraufgeholt. Schon 1904 baute Schmie eine Sickergalerie im Tal und installierte eine Pumpe, die wenige Jahre später elektrisch betrieben wurde.

Das dörfliche Leben und Handwerk

In einem begehbaren Lager findet der Besucher Werkzeuge der Landwirtschaft. Von speziellen Geräten des Tabakanbaus wie z. B. einem Tabakrechen und eine schwere Tabakwaage, den Nadeln zum Auffädeln der Tabakblätter, einer elektrischen „Auffädelmaschine“, bis hin zu den Modeln der Zigarrendreher reichen die Exponate zum Thema „Tabakanbau als landwirtschaftliche Sonderkultur“.

Graziöser sind die Gerätschaften zur Flachsfasergewinnung und Verarbeitung, wie die Riffel, das Schwingeschwert, die Hechel und das Spinnrad.

Die handwerkliche Holzverarbeitung wird anhand der Werkzeuge eines Küfers, Schreiners und eines Zimmermanns dargestellt.  

Die kleine Feldschmiede, mit ihr schmiedeten und härteten früher die Steinhauer ihre Schlageisen, rundet die Ausstellung ab.

Nach dem Niedergang der Steinhauerei suchten sich die Bürger des Ortes neue Einkommensquellen und fanden diese u.a. in der Pforzheimer Schmuckindustrie. Dazu wurde ein Heimarbeitsplatz an einem Goldschmiedebrett gestaltet, der allerdings nicht ständig gezeigt wird.

Ein kleines, für Besucher unzugängliches Lager beherbergt neben Waschutensilien des 20.Jahrhunderts auch Maltersäcke mit interessanten Aufdrucken der Zunft-Symbole des Steinhauerhandwerks, Mehl- und Backutensilien sowie alles Nötige zur Hausschlachtung.

Die „Eppinger Linien“

In den Wäldern der Gemarkungen Schmie und Maulbronn sind die Schanzanlagen dieser Reichsdefensivlinie so gut wie kaum andernorts erhalten. In einem separaten Themenraum wird daher rund um die Verteidigungslinie aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg informiert. Neben einem interaktiven Landschaftsmodell veranschaulichen informative Wandbilder und eine Powerpoint-Präsentation die historische Funktion und die Entwicklung der „Eppinger Linien“. Ihre Bedeutung liegt im Kontext dieses zweiten Krieges europäischer Dimension im 17. Jahrhundert. Es fand die „Taktik der verbrannten Erde“ Anwendung, welche das deutsch-französische Verhältnis auf lange Zeit hinaus beeinträchtigt hatte. Der Bürgerverein versuchte mit neuen Konzepten, wie einer Wandbespannung und einem elektronischen Bilderrahmen, zeitgemäße Gestaltungselemente aufzugreifen. Auch für den Erhalt der „Eppinger Linien“ im Gemeindewald um Schmie setzt sich der Bürgerverein ein und informiert vor Ort über die Bedeutung des einstigen Verteidigungssystems.

Lebendiges Museum

Der Bürgerverein Schmie e.V. möchte nicht nur die historischen Werkzeuge und Gräte konservieren, auch die dazugehörenden Techniken sollen dokumentiert und präsentiert werden. So konnte im Jahr 2013 Frau Irmela Paulsson für eine Demonstration zum Thema „Flachs-Fasergewinnung und Verarbeitung“ gewonnen werden. Das Flachsstroh für die Vorführung wurde von einem Vereinsmitglied auf umliegenden Feldern besorgt und vorbehandelt (geröstet). Frau Paulsson zeigte dem sehr interessierten Publikum die alten Techniken und Verfahren, wie das Riffeln (Entfernen der Leinsamen), das Brechen des Holzkerns in der Schwingerei, das Hecheln (Reinigen und Bürsten der Fasern) bis hin zum Spinnen eines endlosen Fadens mit ihrem Spinnrad.

Anhand verschiedener Ausstellungsstücke konnte die große Bedeutung der Leinfaser im bäuerlichen Leben unserer Groß- und Urgroßeltern veranschaulicht werden. Aus Leinen wurden die Kleidung, auch die Arbeitskleidung der Steinhauer, das Bettzeug, Getreide- und Mehlsäcke sowie Schnüre und Bindfäden gefertigt.

Erinnerungskultur/Zeitzeugen

In einer Video-Dokumentation kommen die letzten Zeitzeugen der NS-Zeit, des II. Weltkrieges und der Nachkriegszeit zu Wort. Die Interviews vor der Kamera haben bereits stattgefunden, nun müssen die Aufzeichnungen gesichtet und geschnitten werden. Das Video soll sich vor allem die jüngere Generation ansprechen.

Erhalt des Wohnwertes in Schmie:

Gestaltung des Steinhauerplatzes

Der Bürgerverein Schmie e.V. strebt auch die Verbesserung des Ortsbildes in kultureller, gestalterischer und verkehrstechnischer Hinsicht an. In enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung Maulbronn konnte ein zentraler Platz an der Strombergstraße zum Steinhauerplatz umbenannt werden. Eine aufgestellte Hinweistafel erläutert die Steinhauertradition und eine kleine Transportlore, mit der Gesteinsschutt und Abraum auf die Halde gefahren wurde, symbolisiert die Steinbrüche.

Denkstein „Glaitstraße“

Der Bürgerverein errichtete an der Glaitstraße einen Denkstein mit einer Bronzetafel. Relief und Text weisen auf die alte Reichs- und Handelsstraße hin, die seit Beginn des 14. Jahrhunderts von Augsburg, Ulm, Cannstatt und Vaihingen/Enz über Knittlingen an den Rhein nach Speier sowie Mainz und weiter nach Frankfurt führte. Württemberg und die Pfalz hatten für diese Handelsstraße die Geleitrechte. Bei Schmie fand die Ablösung zwischen württembergischen und pfälzischen Geleitsleuten statt.

Projekt „Dorfladen“

Wie in vielen Orten in der Region hat sich das Dorfleben gewandelt. Heute ist Schmie nahezu ein reines Wohndorf geworden. Neben einem Steinhauerbetrieb, der hauptsächlich Grabsteine fertigt, existieren noch ein einziger landwirtschaftlicher Hof und drei Betriebe der Zulieferindustrie. Die Kaufkraft bzw. das Kaufverhalten der ansässigen 650 Einwohner reicht nicht aus, um dem Einzelhandel ein Überleben zu sichern.

Der Bürgerverein Schmie e.V. hat darum das Projekt „Dorfladen“ initiiert. Zum Erhalt eines kleinen Lebensmittelladens konnte über mehrere Jahre ein Bäckerbetrieb gewonnen werden. Dieser konnte die Räume des Dorfladens mietfrei nutzen. Die Kosten der Miete teilten sich die Stadt Maulbronn und die örtliche Bevölkerung. Der vereinbarte finanzielle Anteil aus der Bevölkerung wurde vom Bürgerverein Schmie über Spenden eingenommen und teilweise bei Veranstaltungen erwirtschaftet. Somit wurde das „Lädle“ erhalten und ältere Mitbürger konnten fußläufig kleinere Einkäufe tätigen. Der Stehkaffeetisch hat sich zu einem dörflichen Treffpunkt entwickelt.

Verbesserung der Internet-Infrastruktur

Im Februar 2017 lud der Bürgerverein Schmie e.V. die Bevölkerung zusammen mit der Firma Nexiu zu einer Informationsveranstaltung zum Thema VDSL–Internetausbau in die Turnhalle Schmie ein. Der Kontakt zu Nexiu kam über die Stadt Maulbronn zustande. Nexiu warb um eine größere Zahl Neukunden, um eine geplante Richtfunkanbindung des Dorfes wirtschaftlich einrichten zu können. Obwohl Nexiu das selbst gesteckte Ziel nicht erreicht hatte, wurde mit dem Ausbau begonnen. Nexiu ist ein kleiner Anbieter, der obwohl abhängig von der Telekom, sich am Markt etablieren konnte. Jetzt kommen sukzessive immer mehr Einwohner in den Genuss eines schnelleren Internets.

Bürgerschaftliches Engagement:

Internationale Jugendworkcamps in Maulbronn

Ein Beitrag zur Förderung internationaler Gesinnung und Völkerverständigung sowie zum Erhalt des Wasserbewirtschaftungssystems Kloster Maulbronn

Im Juli des Jahres 2014 fand in den Wäldern um das Kloster Maulbronn ein Internationales Jugendworkcamp statt. Fünfzehn junge Erwachsene aus Taiwan, China, Serbien, Ukraine, Tschechien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Türkei und Mexico nahmen sich der ehrenamtlichen Pflege des historischen Grabensystems der einstigen Zisterziensermönche an. Das Grabensystem gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn.

Um dieses Projekt durchführen zu können, kooperierten verschiedene Behörden (Denkmalamt, Landratsamt, Forstamt, Stadtverwaltung Maulbronn) und Vereine (Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten e.V. und der Bürgerverein Schmie e.V.). Die Finanzierung übernahm die Sparkasse Pforzheim mit einer großzügigen Spende.

Der Bürgerverein Schmie unterstützte den Campleiter beim organisieren des Alltags im Wanderheim auf dem Füllmenbacherhof und bei der Freizeitgestaltung, wie der Besuch des Open Air Konzerts im Klosterhof und der Vorbereitung von Lagerfeuern und Grillabenden.

Im August des Jahres 2016 übernahm der Bürgerverein Schmie e.V. die Organisation eines weiteren Jugendworkcamps. Wieder kooperierten die bereits genannten Behörden und Vereine, zusätzlich brachte sich das Kultusministerium Baden-Württemberg ein. Die jugendlichen Teilnehmer kamen aus Baden-Württemberg und seinen Partnerregionen Lombardei, Katalonien und Rhône-Alps; sie wurden in der Naturschule Stromberg in Schönenberg untergebracht. Das Kultusministerium übernahm einen Teil der Kosten. Die weitere Finanzierung erfolgte durch Fördergelder der Stuttgarter-Hofbräu-Umweltstiftung und der Dr.-Bertold-Moos-Stiftung, sowie dem Preisgeld des Kulturlandschaftspreises des Schwäbischen Heimatbundes, welches der Bürgerverein Schmie 2015 erhielt. Das Welterbezentrum in Paris nahm das Workcamp in die World Heritage Volunteers Initiative 2016 auf.

Sowohl 2014 als auch 2016 lud der Bürgerverein die Teilnehmer des Workcamps zum gemeinsamen Backen im historischen „Backhäusle“ in Schmie ein. Gemeinsam wurden Pizzen, Rahmflecken und diverse Kuchen vorbereitet und im Holzbackofen ausgebacken. Nach der leiblichen Stärkung und der obligatorischen Führung durch die „Steinhauerstube“ stand einem Gedankenaustausch nichts mehr (auch keine Sprachbarrieren) im Wege.

Backhausevent mit syrischen Flüchtlingen

Auch im September 2015 lud der Bürgerverein die Bevölkerung zum Backhausevent ins Backhäusle ein. Dieses Mal wurde zusammen mit syrischen Flüchtlingen Apfelkuchen und Fladenbrote gebacken. Daneben wurden Quiche, Couscous und Lammfleisch gegart. Mit dieser Veranstaltung sollten Berührungsängste auf beiden Seiten abgebaut werden.

Ideen und Planungen:

Steinhauerstube:

  • Der Bürgerverein strebt eine zeitgemäße Präsentation durch ständige Verbesserungen an, um das Museum mit seiner Dauerausstellung und seinen Aktivitäten zu einer unverzichtbaren Einrichtung in der Region zu entwickeln. 
  • Das „Lebendige Museum“ soll durch weitere Aktionen, u. a. geführte Wanderungen an historische bedeutsame Orte, fortgeführt werden.
  • Sonderausstellungen zu ortsspezifischen Themen

Weitere Themen:

  • Das Bodendenkmal „Württemberger Landgraben“ soll in seiner Bedeutung aufgearbeitet und publik gemacht werden. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Schanzanlage in unserem Raum, die längst vor den Eppinger Linien angelegt wurde.